Samstag, 15. September 2012

Diskussion nach der Fishbowl-Methode


Ich wollte schon lange erleben, wie viel meine Schüler (jetzt Klasse 9) selbständig in der russischen Sprache bewältigen. Dabei ging es mir nicht um Szenarien, die vorher einstudiert wurden. Es ging auch nicht um Dialoge, die ein relativ überschaubares Umfeld thematisch eingrenzen. Nein, ich wollte, dass meine Schüler sich selbst in eine authentische Situation versetzen und miteinander unmittelbar agieren.
Dazu schien mir die Übung in "ДИАЛОГ 4", Seite 11, Übung 3 recht gut geeignet. Zu Beginn des Schuljahres wiederholt man gern und regelmäßig den Lernstoff des Vorjahres.
Wir hatten erst eine Doppelstunde, in welcher ich mit den Schülern das Präteritum wiederholte um einen Bericht über die Ferien zu formulieren. Wir nutzten auch  Quizlet und Learningapps.
Zusätzlich nutzte ich die zweite Stunde dazu, den Schülern den Auftrag für die Diskussion zu geben. Dazu bildete ich vier Gruppen zu je drei Schülern. Eine Schülerin mit russischem Hintergrud agierte als Helferin und später in der Jury.
Der Auftrag:
  • Дополните таблицу. (20 min.): Фитнес-центр! Да! / Фитнес-центр! Нет!
  • Вы эксперты. Презенитируйте Ваши аргументы.Напишите плакат. Организируйте рекламное шоу.

Gleiche Aufträge gingen an die Gruppen:
  • Супермаркет
  • Молодёжный клуб
  • Ресторан

Diese Gruppen ließen sich bei erhöhter Schülerzahl um  
  • дискотека,  
  • Интернет-кафе,  
  • библиотека usw.
erweitern.
In den 45 min erarbeiteten die Gruppen eigene Argumente für ihr Projekt, prüften aber auch Gegenargumente und sammelten Fakten um gegen die anderen Projekte zu diskutieren. Gleichzeitig gestalteten sie ein Plakat, in welchem sie für ihr eigenes Projekt warben.






Die Präsentation fand am nächsten Tag statt. Die Schüler haben ihre Argumente gelernt, sich Stichpunkte notiert.
Zur Wiederholung sprachlicher Wendungen - schließlich sahen wir uns ja erst das dritte Mal im neuen Schuljahr - habe ich die Schüler wählen lassen: 
  • Tandembogen, 
  • Könnenskarten oder 
  • Bandolino.
Das kennen meine Schüler schon und sie wählen wirklich das, was sie üben möchten, wobei diese drei Formen immer eine Selbstkontrolle gestatten und mich entlasten. Fehlerhafte Sätze werden von den Schülern selbständig notiert. Schüler, die besonders zügig arbeiteten schafften es sogar, alle drei Formen zu testen.  Danach räumten wir den Raum um, damit die Diskussionsrunde vor der Klasse stattfinden konnte.
Nach der Fishbowl-Methode beteiligten sich immer nur zwei Schüler aus jeder Gruppe an der Diskussionsrunde. Der dritte Schüler verfolgte die Diskussion von außen und signalisierte seine Teilnahme, indem er sich erhob. Das hatte zur Folge, dass einer aus dem eigenen Team die Runde verlassen musste. So war es aber auch möglich, dass ein Schüler, der sich sprachlich nicht mehr in der Lage fühlte, am Gespräch teilzunehmen auch die Runde verlassen konnte. Dafür sprang der Schüler von außen ein. Außen war es gestattet, die Stichpunkte einzusehen, wogegen in der Diskussionsrunde selbst frei gesprochen wurde.
Diese Methode gab den Schülern Sicherheiten, jederzeit nach außen zurückzukehren und in die Aufzeichnungen zu schauen, bevor er wieder die Runde betrat. Aber so wurden auch alle Schüler angehalten, an der Diskussion teilzunehmen, wobei der Umfang selbst bestimmt werden konnte, was auch leistungsschwächere Schüler ermutigte.
Eine unabhängige Jury, in diesem Fall meine Muttersprachlerin, eine Schülerin, die vorher wegen Krankheit fehlte und ich, beobachteten die Aktivitäten der Schüler und entschieden schließlich über die Argumentationen der Gruppen, was errichtet wird.
Unsere Beobachtungskriterien waren: Auftreten, Argumentation und Reaktion, Sprache und Rhetorik, Korrektheit und Verständlichkeit, Teamverhalten.
Wir waren alle erstaunt von der Qualität der erbrachten Schülerleistungen. Ich habe meine Schüler noch nie so toll agieren erlebt. Sie kämpften für ihr Projekt, spielten meisterhaft ihre Rollen. Der Wechsel störte keineswegs, im Gegenteil, dadurch blieb die Diskussion über 20 Minuten im Gang. Es war phantastisch! Auch die Schüler staunten, was da plötzlich kam, denn sie kannten ja die Argumente der anderen nicht. Der sprachliche Wettbewerb sollte ja ein Ergebnis bringen, das von ihren Leistungen abhing.
Für mich war es eine Bestätigung, diese Methode deutlich öfter einzusetzen. Sie gestattet wirklich individuelles Arbeiten, eigenes Lerntempo und berücksichtigt auch das unterschiedliche Leistungsniveau der Schüler. Ich glaube schon, dass meine Klasse selbst glücklich war mit dem Ergebnis, auch wenn nicht alle Leistungen durch eine Zensur benotet wurden.
Fishbowl ist echt klasse!!!!

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